Unmoralische Angebote oder lobenswerte Initiativen? – Großspenden für öffentliche Großprojekte

Die Medienberichte häufen sich in letzter Zeit: Private Großspenden, die der Errichtung bzw. Erhaltung öffentlicher Bauwerke dienen, erhitzen hierzulande vielerorts die Gemüter. Dies ist ein Hinweis darauf, dass – wie beispielsweise in den USA schon lange üblich – Großspender und Großspenderinnen staatlichen Institutionen finanziell vermehrt „unter die Arme greifen“ wollen. Wenn durch eine Großspende Einfluss auf Verwaltungshandeln ausgeübt wird, dann wird das Abwägen zu einer heiklen Angelegenheit und oft sogar zu einem Politikum. Die konkreten Erfahrungen und oft heißen Diskussionen vor Ort sind hilfreich, auch für die Weiterentwicklung des Großspenden-Fundraisings hierzulande. Zum einen geht es darum: Was ist akzeptabel und vertretbar für die jeweiligen Spendenempfänger und was nicht? In der Regel ist dies eine Frage der Abwägung von Pro- und Kontra-Argumenten. Doch gleichzeitig bedarf es auch der Berücksichtigung der Spenderseite, der häufig von vornherein ein Zuviel an Eigennutz unterstellt wird, wie die folgenden Beispiele belegen.

Keine Seilbahn für Hamburg

In Hamburg versprach ein Seilbahnbauer, 10 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung zu stellen, wenn die umstrittene Seilbahn von St. Pauli über die Elbe zu den Musicaltheatern auf Steinwerder gebaut werden würde. Das dortige Bezirksamt Mitte kam zu dem Ergebnis, dass die Annahme gegen die „Rahmenrichtlinie über Sponsoring, Spenden und mäzenatische Schenkungen für die Verwaltung der Freien und Hansestadt Hamburg“ verstoßen würde. Zuwendungen Dritter dürfen von Behörden nur dann angenommen werden, wenn nicht der Anschein erweckt wird, Verwaltungshandeln könnte durch Zuwendungen beeinflusst werden. Ein Bürgerentscheid – bei dem die Seilbahn-Kritiker die Einflussnahme durch die Spendenankündigung befürchteten – brachte das Projekt zu Fall.

Warum Hospizneubau in Korbach und nicht in Frankenberg?

Im nordhessischen Korbach soll ein Hospiz-Neubau errichtet werden, weil ein privater Großspender die Kosten dafür übernehmen will. Diese Absicht bewirkte lebhafte Diskussionen, bei denen die Meinungsäußerungen von „begrüßenswertem Vorhaben“ bis „Erpressung“ reichten. Die desaströsen Finanzen des Landkreises lassen es bisweilen nicht zu, dass der allgemein als notwendig erachtete Bau eines Hospiz-Haus von diesem Großspender finanziert wird. Allerdings: Der potenzielle Spender ist ein Korbacher, der will, dass das Gebäude in seiner Heimatstadt gebaut werden soll. Dieser Standort war zwar ohnehin angedacht, doch auch die Stadt Frankenberg war im Gespräch.

Nutzen oder Schaden eines Salinenparks für Traunstein

In oberbayrischen Traunstein hat der Stadtrat „Ja“ gesagt zur Errichtung eines Salinenparks mit Hilfe einer privaten Spende von einer Million Euro. Auch hier gingen der Entscheidung heftige Diskussionen voraus. So wurden die hohen Kosten für die Erschließung des Gebiets ebenso wie eine Verschandelung der Südansicht der Stadt ins Feld geführt. Doch letztlich setzten sich die Pro-Argumente durch: die Erhaltung der Salinengeschichte der Stadt und die Erhöhung der Chancen für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022.

Millionenspende für Defizitabbau in Grebenhain

Auch bei der Spende in Höhe von 2,1 Millionen Euro, die die hessische Gemeinde Grebenhain (5.000 Einwohner) 2013 von dem dort ansässigen Milliardär Lutz Helmig (Gründer der Helios Kliniken) mit der Auflage erhielt, die Schulden der Gemeinde abzubauen, wurden zugleich kritische Stimmen laut: Hier will jemand auf die Gemeindepolitik Einfluss nehmen. Um genau diesen Verdacht von vornherein auszuräumen, hatte Helmig den Vertrag noch mit dem alten Bürgermeister (mit einstimmiger Zustimmung der Gemeindevertretung) ausgehandelte, damit der neue Bürgermeister sich ihm nicht verpflichtet fühlt. „Natürlich gebe ich“, so Lutz Helmig, „gerne meinen Rat, wenn ich gefragt werde. Aber meine Stimme ist nicht mehr wert als die eines jeden Wahlberechtigten.“ (Osthessen News 20.7.2013).

Ein New Yorker Milliardär und sein Platz

In den USA ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich Major Donors mit hohen Förderbeträgen auch für öffentliche Belange engagieren. Die öffentliche Wertschätzung, meist inkl. attraktiver Namensgebungsmöglichkeiten, ist ihnen dafür in der Regel sicher. Doch gelegentlich werden selbst in Amerika kritische Stimmen laut werden, insbesondere dann, wenn ein einzelner Spender es in den Augen der Öffentlichkeit überzieht und sein Name quasi überall prangt. Ein Beispiel dafür ist der „David H. Koch Plaza“ rund um die Eingangsstufen des Metropolitan Museums in New York. Der Milliardär hatte die Kosten von 65 Millionen Dollar, die für die Renovierung des Platzes benötigt wurden, komplett finanziert. Zwar wurde der reichste Einwohner New Yorks bei der Einweihung mit Dankesreden überschüttet, doch es waren auch kritische Stimmen zu hören, denn wer durch New York läuft, begegnet dem Namen David H. Koch unweigerlich. Nicht alle US-Philanthropen in den USA bestehen darauf, ihre Spende auch durch Namensgebung öffentlich sichtbar zu machen. Manche spenden auch anonym – aber Koch nie: „Ich will, dass David H. Koch als ein Mann bekannt bleiben wird, der während seiner Lebenszeit versucht hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ (Süddeutsche Zeitung 10.10.2014).

Souveräner Umgang notwendig

Großspenden für öffentliche Großprojekte sind per se nicht verwerflich. Wichtige Stichworte sind hier allerdings: Transparenz, intensive Diskussionen und Entscheidungen, die nicht den Geschmack einer wirtschaftlichen Vorteilnahme durch Spender/innen beinhalten.

Gleichzeitig aber darf die Thematik der Wertschätzung des Engagements gerade von Großspendern und Großspenderinnen nicht aus dem Auge verloren werden, bei der immer noch vieles in Argen liegt hierzulande. Angesagt ist ein souveräner Umgang auf beiden Seiten – bei den Spendenempfängern und bei den Spendenden. Es ist normal, dass Großspenden häufig mit Erwartungen seitens der Spendenden verknüpft werden. Es ist gleichzeitig normal, dass mit einer Spendenannahme ein Aushandlungsprozess verbunden ist und dass es Grenzen gibt, die unter Umständen auch ein Nein zu einer Spende beinhalten können.

Spender und Spenderinnen, die sich allerdings aus Angst vor„öffentlichen Prügeln“ verstecken müssen und die – was hierzulande daher leider häufig üblich ist – anonym bleiben, fallen als öffentliche Vorbilder für andere Vermögende aus, die das finanzielle Potenzial besitzen, hohe Spendenbeträge zu leisten.

Doch wir brauchen unbedingt mehr „Role Models“, damit Zahl und Volumen von hohen Spendenbeträgen auch hierzulande wachsen.

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Fotoquelle: http://hyperallergic.com/148205/in-response-to-controversial-funder-protestors-rechristen-met-museum-plaza/