Und plötzlich waren sie da: 15.000 Euro von Max Meier

Wenn der Buchhalter freudestrahlend bei der Fundraiserin klingelt ist es wieder soweit: Er verkündet die frohe Botschaft, dass gerade eine Spende von 15.000 Euro reinkam, von einem gewissen Max Meier. Die Freude ist riesig im Team – und sofort macht sich die Fundraiserin an die Arbeit: Wer ist denn dieser Max Meier?

In den letzten Jahren hat er eher unauffällig mehrmals im Jahr 50-Euro-Spenden geschickt. Bisher kein direkter Kontakt zu ihm, er bekommt regelmässig die Mailings und natürlich auch Dankbriefe für seine Spenden. Ansonsten keine Auffälligkeiten.

Warum nur spendet er jetzt eine so grosse Summe? Das Rätselraten startet – und der Dankanruf gerät fast in Vergessenheit. Aber eben nur fast!

Ihn habe das Projekt im letzten Brief besonders angesprochen und darum wollte er eben mal eine richtige Spende schicken. Aha. Eine „richtige Spende“ also. Waren die 50-Euro-Spenden vorher also unrichtige Spenden? Nein, nein, aber Sie wissen schon, mit 15.000 Euro da könnte die Organisation dann doch mal schnell einige grosse Schritte dem Ziel näher kommen. Ok, ja, klar. Also nochmals vielen Dank und bis hoffentlich bald…

Oh nein!!

Warum findet er unsere Organisation noch mal besonders unterstützungswürdig?

Hat er direkte Verbindungen zu Menschen in unserer Organisation?

Was macht er gerne in seiner Freizeit?

Fragen über Fragen, die aufgrund der 15.000-Euro-Euphorie unbeantwortet bleiben… Aber zum Glück war der Dank-Anruf ja erst der Anfang und Auftakt einer hoffentlich langen Beziehung zwischen Max Meier und der Fundraiserin.

Spontane Großspenden gibt es immer wieder, in jeder Organisation. Darüber hinaus ist die spendenfreudigste Zeit im Jahr natürlich auch wieder die Zeit, in der die Anzahl der großen Spenden steigt. Die Freude darüber ist selbstverständlich gross und überwältigend – völlig zurecht. Aber leider nur zum Teil. Denn würden die Verantwortlichen wissen, was eigentlich möglich gewesen wäre…

  • Max Meier hätte aktiv gefunden werden müssen.
  • Max Meier hätte aktiv angesprochen werden müssen.
  • Max Meier hätte aktiv Angebote erhalten müssen, die Organisation besser und persönlicher kennen zu lernen.
  • Max Meier hätte aktiv involviert werden müssen in Gedanken, Planungen und Prozesse zukünftiger Projekte.
  • Max Meier hätte aktiv um eine Spende gebeten werden müssen.
  • Max Meier hätte aktiv größte und persönliche Wertschätzung entgegengebracht werden müssen.
  • Max Meier hätte im Mittelpunkt der Gedankenwelt der Fundraiserin – und allen weiteren Verantwortlichen (!) – stehen müssen.

Dann hätte Max Meier liebend gerne seine 150.000 Euro in die Organisation und das Projekt investiert. Aber irgendwie war der Bankberater schneller und, ja: aktiver – und jetzt ist das Geld irgendwie wieder erstmal für fünf Jahre in einem Fonds gebunden…

Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden – und, zum Glück,  da klopft es wieder an der Tür, es ist wieder der Buchhalter und verkündet freudestrahlend den vermeintlichen doppelten 6er im Lotto: schon wieder kam eine Spende, dieses Mal sogar 20.000 Euro!

…und nur die Fundraiserin weiss, welches verschenkte Potenzial vermutlich auch hinter dieser Spende steckt.