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Silberstreif am Horizont: Susanne Klatten und eine neue Vermögenskultur

Die Unternehmerin Susanne Klatten, reichste Frau Deutschlands, machte Anfang April mit einer interessanten Initiative Furore: Sie will mit ihrer sogenannten SKala-Initiative zwischen 2016 und 2020 bis zu 100 Millionen Euro für gemeinnützige Organisationen und Projekte zur Verfügung stellen. Das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus PHINEO übernimmt die Entwicklung und Durchführung der Initiative. Klatten hat in Zusammenarbeit mit PHINEO vier Förderbereiche ausgewählt, die ihr besonders wichtig sind und die einen hohen Bedarf an materieller und ideeller Unterstützung aufweisen: Inklusion & Teilhabe, Kompetenz- & Engagement-Förderung, Brücke zwischen den Generationen, Katastrophenhilfe.

Positives Signal

Susanne Klatten ist gegenwärtig dabei, so ist zu lesen, ihre Gemeinwohlaktivitäten neu zu ordnen. 2015 hatte sie bekannt gegeben, dass die nach ihrem Vater benannte Herbert-Quandt-Stiftung ihre gesellschaftspolitische Arbeit Ende 2016 einstellen werde. Die Welt titelte ihren Bericht über die Millionenspenden-Initiative von Klatten am 10.4.2016 so: „Sie hat einen Gewissensberater. Deutschlands reichste Frau definiert das Spenden neu.“ Klatten ist zwar bereits seit vielen Jahren als Spenderin und Stifterin aktiv, auch im Millionenbereich, doch bislang suchte sie mit ihrem Engagement meist nicht das öffentliche Rampenlicht. Die Tatsache, dass sie nun als Megaspenderin zum öffentlichen Rollenvorbild für andere Vermögende werden könnte, ist ein positives Signal.

Spendenengagement Vermögender bislang kein öffentliches Thema

Die Thematik, wie vermögende Menschen hierzulande dazu motiviert werden können, sich stärker als Spender und Spenderinnen zu engagieren, ist bislang kein öffentliches Thema. Damit die soziale Spaltung zwischen Reich und Arm nicht weiter zunimmt ist eine neue Vermögenskultur notwendig, so Knut Bergmann (Leiter der Kommunikation des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und des Hauptstadtbüros) 2011 in einem Thesenpapier für die Stiftung neue Verantwortung.  Der Begriff der Vermögenskultur im Sinne eines bewussten Umgangs mit Vermögen im Sinne des guten Tuns für das Gemeinwohl wurde von einem der Pioniere der Vermögensforschung im deutschsprachigen Raum, Prof. Dr.Thomas Druyen (Sigmund Freud Privatuniversität Wien) entwickelt. Als zentrale Grundlage einer neuen Vermögenskultur gilt gelebte Philanthropie.

Susanne Klatten und ihr bislang diskreter Umgang mit ihrem Spendenengagement sind keineswegs die Ausnahme. Über das Spendenverhalten reicher Menschen hierzulande ist insgesamt wenig bekannt. Zwar gibt es da und dort Veröffentlichungen über Megaspenden, doch weder jährliche Zusammenstellungen der zweistelligen Millionenspenden, wie in den USA üblich, oder Philanthropie-Rankings existieren. Im Gegenteil: Viele Vermögende, die sich mit hohen Spendenbeträgen engagieren, tun dies absichtlich im Hintergrund, wollen keine Veröffentlichung.

Öffentliche Spendenvorbilder notwendig

Es fehlt bislang weitgehend an öffentlich bekannten und profilierten Persönlichkeiten, die durch ihr persönliches Engagement als Vorbild wirken. Philanthropie sollte auch hierzulande eine öffentliche Tugend werden. Öffentliche Spendenvorbilder bewirken das Mit- und Nachziehen anderer. Die Freude am Spenden und der Spendenkuchen wachsen, wenn es sich dabei um eine Aktivität handelt, über die man spricht und sich austauscht. Die Initiative von Susanne Klatten ist ein Silberstreif am Horizont, dem, so ist zu hoffen, noch viele folgen.