Archiv der Kategorie: Kommentar

Auf Augenhöhe – Die Beziehung zum Förderer

Bericht unserer Ehemaligen aus dem Kurs 6 der Weiterbildung «Großspenden-Fundraiser/in» über ihr zweites Folgetreffen in Frankfurt:

Wenn GROSSER ENTHUSIASMUS für das Spendenprojekt zusammenfällt mit einer Spendenbitte zur rechten Zeit, dann kann es ganz toll laufen. Beides stimmte bei einem Förderer der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK) und führte zu einem vielfältigen Engagement für die Hochschule und ihre Studierenden.

Beim zweiten Treffen der „AGS 6 – der Alumni der Großspenderfundraising-Ausbildung am Major Giving Institute Kurs 6“ am 24. und 25. August in Frankfurt war besagter Gönner zu Gast und lieferte wertvolle Impulse und Einblicke aus Förderersicht. Deutlich wurde dabei zum Beispiel, wie wichtig der persönliche Faktor ist. Es geht ums Fördern von Menschen, in diesem Fall die Studierenden – angehende Künstler, junge Musiker, Schauspieler und Tänzer, an deren Entwicklung man gerne Anteil nimmt. Offen und seinerseits interessiert an der Fundraising-Materie beantwortete der Gast alle neugierigen Fragen.

Auch in der anschließenden Diskussion stand das Thema wertschätzende und auf Augenhöhe basierende Spenderbeziehung weiter im Fokus. Der Nachmittag wurde genutzt um über aktuelle Aufgaben und Herausforderungen Einzelner zu sprechen und hier zeigte sich einmal mehr die große Kraft dieses Netzwerks! Man profitiert einfach enorm von der Expertise und der Erfahrung der Kolleginnen und Kollegen. Das ist ein schönes Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Intensiv-Coaching!

Bereits am Vorabend begann der Austausch der Fundraiser bei Äppelwoi, Grie Soß, Handkäs mit Musik und anderen hessischen Spezialitäten. Dass unsere Major Giving Dozentin Marita Haibach dazu kam, war eine besondere Freude!

Klar, nach dem Alumni-Treffen ist vor dem Alumni treffen. Im nächsten Jahr geht’s nach Hamburg. Der große neue Magnet der Stadt, die Elbphilharmonie, interessiert uns auch aus Fundraiser-Sicht. Darum möchten wir mit verantwortlichen Fundraisern und Geschäftsführern ins Gespräch kommen.

Schicken Sie Ihrer Großspenderin eine Urlaubskarte?

Es ist Sommer! Wir wünschen Ihnen schöne Ferien, beste Erholung, Entspannung und dass Sie sich ausreichend Zeit nehmen können um Kräfte zu tanken. Bitte sehen Sie es uns nach, dass wir dennoch – bevor wir in die Hoch-Urlaubszeit starten – daran erinnern, dass die spendenfreudige Zeit im Herbst und Winter wieder kommen wird. Da werden wir alle wieder viel Energie und Ausdauer benötigen.

Für Ihre Großspenden-Fundraising-Erfolge im Herbst kann es wichtig sein, dass Sie die Sommerzeit nutzen, um einen weiteren Schritt in den Beziehungen zu potenziellen Spenderinnen und Spendern zu gehen und damit eine Förderbitte im Herbst vorzubereiten. Vielleicht ist es sogar eine Postkarte „aus den Ferien”?

Natürlich sollen Sie im Urlaub abschalten, die Seele baumeln lassen und vielleicht auch einfach mal nix tun – oder aktiv sein, je nachdem welche Urlaubsart Sie bevorzugen. Dennoch sollten Sie vorher noch einen nächsten Schritt in der Beziehungsgestaltung machen. Vermutlich haben Sie schon daran gedacht. Falls noch nicht, haben wir hier noch fünf Last-Minute-Tipps, um eine Förderbitte im Herbst schon jetzt vorzubereiten:

1. Melden Sie sich ab!

So wie Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen schöne Ferien wünschen oder eine erholsame Zeit, so können Sie dies auch mit Ihren Spenderinnen und Spendern machen. Schicken Sie eine Postkarte noch von Ihrem Arbeitsplatz aus, wünschen eine schöne Sommerzeit und sagen Sie, dass Sie sich auf ein Treffen im Herbst freuen.

2. Rufen Sie mal an!

Die wichtigsten Großspenderinnen und Großspender können Sie vielleicht mal wieder anrufen. Die Sommerzeit kann dafür eine gute Zeit sein. Vor allem ältere Spender sind vielleicht noch eher alleine zuhause, da Enkel und Kinder selber im Urlaub sind. Das kann ein kurzer, überraschender Anruf sein, der sich bewusst nicht auf eine aktuelle Spende bezieht sondern einfach nur auf dem Interesse basiert, wie der oder die potenzielle Großspender/in den Sommer verbringen wird.

3. Bitten Sie um Unterstützung!

Die Anzahl der Spendenbitten nimmt in den Sommermonaten  ab. Warum fragen Sie dann nicht einfach mal nach? Wer jetzt ein konkretes Projekt hat, das ein überschaubares Volumen an Spenden benötigt, das von einer konkreten Anzahl von Personen finanziert werden könnte sollte unbedingt nachfragen. „You only get what you ask for” – diese Fundraising-Weisheit trifft vor allem auch im Großspenden-Fundraising immer zu.

4. Kündigen Sie sich an!

Über welchen Kanal Sie auch mit Ihren potenziellen Großspender/innen kommunizieren: kündigen Sie an, dass Sie sich im September melden um ein dann wichtiges Projekt zu besprechen oder dass Sie auf ein Treffen im Herbst hoffen. Somit ist der Grundstein gelegt für den nächsten Beziehungsschritt und dann auch die Spendenbitte für das wichtige Projekt.

5. Danken Sie!

Sie wissen: viele Zeitpunkte sind richtig und wichtig für einen Dank – vor allem auch dann, wenn keine aktuelle Spende vorliegt. Jetzt ist vielleicht ebenfalls ein richtiger Zeitpunkt um für die Unterstützung oder gute Zusammenarbeit im ersten Halbjahr zu danken und Ihre Vorfreude über weitere Kontakte im zweiten Halbjahr auszudrücken.

Was auch immer Sie jetzt tun um einen weiteren Schritt in der Beziehung zu Ihren wichtigsten Förderern zu gehen: Tun Sie es! Haben Sie dabei immer auch den übernächsten Schritt im Kopf und vor allem die Förderbitte.

Wir wünschen einen schönen Sommer!


Foto „Gänseblümchen“ by Maik Meid CC BY-SA 2.0 licence. Thanks!

Silberstreif am Horizont: Susanne Klatten und eine neue Vermögenskultur

Die Unternehmerin Susanne Klatten, reichste Frau Deutschlands, machte Anfang April mit einer interessanten Initiative Furore: Sie will mit ihrer sogenannten SKala-Initiative zwischen 2016 und 2020 bis zu 100 Millionen Euro für gemeinnützige Organisationen und Projekte zur Verfügung stellen. Das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus PHINEO übernimmt die Entwicklung und Durchführung der Initiative. Klatten hat in Zusammenarbeit mit PHINEO vier Förderbereiche ausgewählt, die ihr besonders wichtig sind und die einen hohen Bedarf an materieller und ideeller Unterstützung aufweisen: Inklusion & Teilhabe, Kompetenz- & Engagement-Förderung, Brücke zwischen den Generationen, Katastrophenhilfe.

Positives Signal

Susanne Klatten ist gegenwärtig dabei, so ist zu lesen, ihre Gemeinwohlaktivitäten neu zu ordnen. 2015 hatte sie bekannt gegeben, dass die nach ihrem Vater benannte Herbert-Quandt-Stiftung ihre gesellschaftspolitische Arbeit Ende 2016 einstellen werde. Die Welt titelte ihren Bericht über die Millionenspenden-Initiative von Klatten am 10.4.2016 so: „Sie hat einen Gewissensberater. Deutschlands reichste Frau definiert das Spenden neu.“ Klatten ist zwar bereits seit vielen Jahren als Spenderin und Stifterin aktiv, auch im Millionenbereich, doch bislang suchte sie mit ihrem Engagement meist nicht das öffentliche Rampenlicht. Die Tatsache, dass sie nun als Megaspenderin zum öffentlichen Rollenvorbild für andere Vermögende werden könnte, ist ein positives Signal.

Spendenengagement Vermögender bislang kein öffentliches Thema

Die Thematik, wie vermögende Menschen hierzulande dazu motiviert werden können, sich stärker als Spender und Spenderinnen zu engagieren, ist bislang kein öffentliches Thema. Damit die soziale Spaltung zwischen Reich und Arm nicht weiter zunimmt ist eine neue Vermögenskultur notwendig, so Knut Bergmann (Leiter der Kommunikation des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und des Hauptstadtbüros) 2011 in einem Thesenpapier für die Stiftung neue Verantwortung.  Der Begriff der Vermögenskultur im Sinne eines bewussten Umgangs mit Vermögen im Sinne des guten Tuns für das Gemeinwohl wurde von einem der Pioniere der Vermögensforschung im deutschsprachigen Raum, Prof. Dr.Thomas Druyen (Sigmund Freud Privatuniversität Wien) entwickelt. Als zentrale Grundlage einer neuen Vermögenskultur gilt gelebte Philanthropie.

Susanne Klatten und ihr bislang diskreter Umgang mit ihrem Spendenengagement sind keineswegs die Ausnahme. Über das Spendenverhalten reicher Menschen hierzulande ist insgesamt wenig bekannt. Zwar gibt es da und dort Veröffentlichungen über Megaspenden, doch weder jährliche Zusammenstellungen der zweistelligen Millionenspenden, wie in den USA üblich, oder Philanthropie-Rankings existieren. Im Gegenteil: Viele Vermögende, die sich mit hohen Spendenbeträgen engagieren, tun dies absichtlich im Hintergrund, wollen keine Veröffentlichung.

Öffentliche Spendenvorbilder notwendig

Es fehlt bislang weitgehend an öffentlich bekannten und profilierten Persönlichkeiten, die durch ihr persönliches Engagement als Vorbild wirken. Philanthropie sollte auch hierzulande eine öffentliche Tugend werden. Öffentliche Spendenvorbilder bewirken das Mit- und Nachziehen anderer. Die Freude am Spenden und der Spendenkuchen wachsen, wenn es sich dabei um eine Aktivität handelt, über die man spricht und sich austauscht. Die Initiative von Susanne Klatten ist ein Silberstreif am Horizont, dem, so ist zu hoffen, noch viele folgen.

Boom der Megaspenden für Hochschulen in den USA

Forschung und Lehre zählen zwar von jeher zu den Spitzenreitern bei den Megaspenden in den USA. Doch – so die jüngst veröffentlichte Studie von Marts & Lundy, einem US-Fundraising-Consulting-Unternehmen – 2014 gab es wie auch bereits 2013 einen großen Wachstumsschub bei den Riesenspenden von Individuen, Stiftungen und Unternehmen. Es waren 43 Spenden mit einer Höhe über 50 Millionen Dollar zu verzeichnen. Auch  der Chronicle of Philanthropy, der fortlaufend eine Liste von „America’s Top Donors“ veröffentlicht, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. „Es gibt einen engen Zusammenhang“, so John Cash, der Vorstandsvorsitzende von Marts & Lundy, „zwischen hohen Spendenbeträgen und den Kapitalmärkten“ (Chronicle of Philanthropy, 19.2.2015).  61 Prozent aller Spenden über eine Million Dollar flossen in den Hochschulbereich. Den Megaspendern liegt insbesondere die Unterstützung von medizinischen Forschungsprojekten am Herzen: 51 Prozent der Topspenden an Hochschulen flossen an Universitätskliniken.
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Unmoralische Angebote oder lobenswerte Initiativen? – Großspenden für öffentliche Großprojekte

Die Medienberichte häufen sich in letzter Zeit: Private Großspenden, die der Errichtung bzw. Erhaltung öffentlicher Bauwerke dienen, erhitzen hierzulande vielerorts die Gemüter. Dies ist ein Hinweis darauf, dass – wie beispielsweise in den USA schon lange üblich – Großspender und Großspenderinnen staatlichen Institutionen finanziell vermehrt „unter die Arme greifen“ wollen. Wenn durch eine Großspende Einfluss auf Verwaltungshandeln ausgeübt wird, dann wird das Abwägen zu einer heiklen Angelegenheit und oft sogar zu einem Politikum. Die konkreten Erfahrungen und oft heißen Diskussionen vor Ort sind hilfreich, auch für die Weiterentwicklung des Großspenden-Fundraisings hierzulande. Zum einen geht es darum: Was ist akzeptabel und vertretbar für die jeweiligen Spendenempfänger und was nicht? In der Regel ist dies eine Frage der Abwägung von Pro- und Kontra-Argumenten. Doch gleichzeitig bedarf es auch der Berücksichtigung der Spenderseite, der häufig von vornherein ein Zuviel an Eigennutz unterstellt wird, wie die folgenden Beispiele belegen.
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Und plötzlich waren sie da: 15.000 Euro von Max Meier

Wenn der Buchhalter freudestrahlend bei der Fundraiserin klingelt ist es wieder soweit: Er verkündet die frohe Botschaft, dass gerade eine Spende von 15.000 Euro reinkam, von einem gewissen Max Meier. Die Freude ist riesig im Team – und sofort macht sich die Fundraiserin an die Arbeit: Wer ist denn dieser Max Meier?

In den letzten Jahren hat er eher unauffällig mehrmals im Jahr 50-Euro-Spenden geschickt. Bisher kein direkter Kontakt zu ihm, er bekommt regelmässig die Mailings und natürlich auch Dankbriefe für seine Spenden. Ansonsten keine Auffälligkeiten.
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