Anregende Informationen (nicht nur) für Major Donor Fundraiser: Was die Reichsten-Rankings bringen.

Seit Jahren wachsen die Zahl der Vermögenden und die Höhe der Vermögen in einer ganzen Reihe von Ländern der Erde. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben stark am weltweiten Vermögensanstieg partizipiert. Die Bedeutung von Reichtum für die Gesellschaft war bei uns jedoch lange Zeit allenfalls ein Randthema, das in einzelnen Biografien da und dort und dort in Boulevard-Medien seinen Niederschlag fand. Es kommt hinzu, dass sich viele Reiche bedeckt halten, also über die Tatsache, dass sie vermögend sind, schweigen – oft sogar im Bekanntenkreis.

Interesse an Reichtumsthematik wachsend

Inzwischen aber ist das Interesse an der Thematik Reichtum gewachsen. Mit den wachsenden Vermögen bei einigen wenigen gehen hitziger werdende Debatten über die dadurch verursachten gesellschaftlichen Auswirkungen wie das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich einher. Gleichzeitig bringt es die wachsende Zahl an Vermögenden mit sich, dass sie von Finanz- und Immobiliendienstleistern ebenso wie für Anbieter von Luxusgütern und anderen mehr als Zielgruppe von wachsender Bedeutung behandelt werden.

Die Herbstmonate sind in Deutschland und in der Schweiz die Monate, in denen Wirtschaftsmagazine die jährlichen Reichsten-Rankings veröffentlichen. Die erste Liste der seinerzeit 300 (inzwischen 500) reichsten Deutschen des Manager Magazins wurde im Jahr 2000 publiziert. Seit 2014 gibt es sogar ein zweites Reichen-Ranking in Deutschland, veröffentlicht vom deutschen Ableger des Schweizer Wirtschaftsmagazins BILANZ (2016 sogar mit den 750 Reichsten). Für die Schweiz veröffentlicht BILANZ bereits seit vielen Jahren Ende November ein Ranking der 300 Reichsten. Die Liste der 100 reichsten Österreicher wird regelmäßig von der Zeitschrift Trend im Frühjahr publiziert. Das „Urgestein“ der Reichsten-Ranking ist die Forbes-Milliardärsliste „The World’s Billionaires“, die 1987 erstmals in den USA erschien. Interessant ist bei Forbes die Tatsache, dass darin auch die hiesigen Milliardäre enthalten sind und das die Online-Porträts sowie Selektionsmöglichkeiten sehr informativ sind.

Kein Voyeurismus, sondern im gesellschaftlichen Interesse

Was nun bringen Reichste-Rankings, zu denen übrigens von darin enthaltenen Menschen immer wieder kritische Äußerungen zu hören sind (was die Korrektheit und auch die etwas unfreiwillige öffentliche Präsenz angeht)? Dieser Kritik kann entgegengehalten werden, dass die besagten Menschen zum einen meist als Personen des öffentlichen Lebens gelten, zum anderen aber die Wirtschaftsmagazine große Sorgfalt bei ihren Recherchen walten lassen. Und klar: Es handelt sich lediglich um (fundierte) Schätzungen und Tendenzen.

Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland lautet: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Reichsten-Rankings leisten in diesem Kontext einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Transparenz. Durch die jährlichen Neuauflagen der Rankings und die Berichterstattung über die Veröffentlichung sind die Top-Vermögensbesitzer gesellschaftlich mehr in den Blick gekommen sind. Zudem wird verdeutlicht: Es handelt sich um reale Menschen, um ganze Familien und nicht lediglich um abstrakte Zahlen. Durch öffentliche Sichtbarkeit kommt auch die Thematik in den Blick: Was bedeutet der Grundgesetz-Artikel in der Praxis?

Potenzielle Philanthropinnen und Philanthropen in den Blick bekommen

Auch aus Sicht des Großspenden-Fundraising sind die Reichsten-Rankings positiv zu sehen. Wer diese über Jahre verfolgt, bekommt ein gutes Verständnis über die „Players“ (auch was nachfolgende Generationen angeht) und die Entwicklungen bei den Einzelnen. Reichsten-Rankings unterstützen die Identifizierung von potenziellen Großspenderinnen und Großspendern. Zudem sind sie auch in der Phase der Qualifizierung in Form von Spenderrecherchen hilfreich, bei der es darum geht herauszufinden, ob Einzelne tatsächlich für eine bestimmte Organisation und deren Anliegen als Förderer in Frage kommen könnten. Sowohl regionale Aspekte (wo leben die Betreffenden) als auch die Vermögensherkunft sowie dessen Umfang sind in diesem Zusammenhang interessant.

Keine Spenderinnen und Spender per se

Eines jedoch liefern die Reichsten-Rankings mit Sicherheit nicht: Namen von Vermögenden, die automatisch spenden, weil sie reich sind. Rundmails, standardisierte Spendenbriefe und anderes mehr führen nicht zum Erfolg, sondern landen meist sofort im Papierkorb. Elementar für erfolgreiches Großspenden-Fundraising ist das Linkage-Prinzip: Meist kommt man mit den Betreffenden – wenn überhaupt – nur durch Türöffner in Kontakt, Menschen, die deren Vertrauen besitzen. Hinzu kommt, dass viele Reiche spezielle philanthropische Interessen haben, also nicht für dieses und jenes spenden. Zudem ist es auch vom persönlichen Erstkontakt bis hin zu einer Großspende ein langer Weg, der nur durch passgenaue Beziehungsgestaltung gelingen kann. Darüber hinaus sollte nicht vergessen gehen: Es gibt nicht nur die Superreichen, sondern auch viele Vermögende, die über geringere Vermögen verfügen und nicht in den Rankings auftauchen, die als Spenderinnen und Spender in Frage kommen könnten.

Regelmäßige Großspenden-Rankings fehlen

Sehr bedauerlich ist allerdings, dass über das philanthropisches Engagement und das Spendenverhalten reicher Menschen auch nach mehr als 15 Jahren Reichsten-Rankings hierzulande bislang in der allgemeinen Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Zwar mehren sich inzwischen Medienberichte über Millionenspenden da und dort, doch weder existieren jährliche Zusammenstellungen von Millionen- und Megaspenden noch Philanthropie-Rankings, wie sie in den USA üblich sind (insbesondere Philanthropy 50 sowie die Millionen-Dollar-Datenbank des Chronicle of Philanthropy). Im Gegenteil: Viele Vermögende, die sich mit hohen Spendenbeträgen engagieren, tun dies absichtlich im Hintergrund und wollen oft keine Veröffentlichung.

Um die Transparenz auch auf diesem Gebiet zu erhöhen, führt das Major Giving Institute auf seiner Webseite eine Liste von öffentlich bekannt gewordenen Großspenden. Sie sind alle herzlich dazu eingeladen durch das Melden von großen Spenden an uns dazu beizutragen, dass diese nicht nur länger wird, sondern auch mehr Kontinuität erhält.